Yungaya's trad. Siamkatzen

Grundlagen,
a) Zuchttechniken und
b)Genetik

c)Erbdefekte
d)Die Welpen vor und nach der Geburt


Die Genetik ist ein schwieriges Thema. Ich habe versucht,
diese Seite auf einem möglichst einfachen und verständlichen Niveau zu schreiben.
Es läßt sich ab nicht verhindern, dass die Seiten einem Fachmann, wie einem Biologen oder
Veterinärmediziner, zu sehr veinfacht erscheinen,- diese Leute will diese Seite aber auch
nicht ansprechen - einem Laien schon zu schwierig. Eine weitere Vereinfachung würde aber
dazu führen, dass einige Zusammenhänge schlichtweg falsch aufgefasst werden könnten.

a)Einführung und Erläuterung der wichtigsten Zuchttechniken

Es gibt verschiedenen Zuchttechniken, die entweder jede für sich oder auch kombiniert eingesetzt werden können

Linienzucht

Es werden Katzen miteinander verpaart, in deren Stammbäumen sich verwandte Linien befinden. Dadurch kann man die in diesen Linien existierenden Eigenschaften festigen. Außerdem kann man davon ausgehen, dass diese Linien miteinander harmonieren.

Hier ein erfundener Stammbaum als Beispiel

Pudding`s braune Tessy

Rasse: Orientalisch Kurzhaar
Brown
Ch. Dachhase`s Pilot
Rasse: Orientalisch Kurzhaar
Brown
Cranich`s Erich
Brown
Pudding`s Brauner Clown
Brown
Cranich`s Braune Lina
Brown
Dachhase`s Perina
Brown
Dachhase`s Pierot
Cranich`s Braune Wendy
Brown
Pudding`s Mahagonie
Rasse: Orientalisch Kurzhaar
Brown
Dachhase`s Peter
Brown
Dachhase`s Pierot
Cranich`s Braune Wendy
Brown
Dachhase`s Putzige Carola
Brown
Dachhase`s Micha
Brown
Dachhase`s Perina
Brown

Beim Betrachten des Stammbaums von Pudding`s Braune Tessy erkennt man drei Linien.
Dachhase`s, Cranich`s und Pudding`s.
Über diese Katzen sollte man sich nun genau informieren. Man muss sichergehen, dass diese Katzen sowohl auf Ausstellungen, als auch in der Zucht erfolgreich sind und keine Defekte vererben. Dann kann man davon ausgehen, dass diese Linien miteinander harmonieren und gute Nachzucht bringen.
Sucht man also nach einem passenden Kater für Tessy, sollte der Kater aus einer (oder einer Kombination) dieser drei Linien stammen.

Inzucht

ist die Verpaarung von Katzen, die miteinander verwandt sind. Vater-Tochter, Mutter-Sohn, Halbgeschwister, Cousin-Cousine etc..
Dabei werden vorhandenen Eigenschaften gefestigt und verstärkt.
Häufig wird gesagt, dass Inzucht zu kranken und schwachen Tieren führt. Das ist nur dann der Fall, wenn nicht wirklich nur die gesündesten und besten für ein solches Programm heran gezogen werden. Denn jede vorhandene Schwäche wird genauso verstärkt und gefestigt wie die positiven Eigenschaften. Deshalb sollte diese Art der Zucht nie leichtsinnig eingesetzt werden. Leider sind die häufigsten Gründe nicht die bewußte Verstärkung der Erbanlagen, sondern oft viel einfachere (häufig räumliche Nähe von verwandten Tieren,Argumente wie "Die aus dem letzten Wurf behaltene Tochter, kann doch erstmal der Vater decken" u.ä.
Nur verantwortungsbewußte Züchter, die die Genetik ihrer Katzen mit allen Stärken und Schwächen kennen, sollten sich dieser Technik bedienen.

Ziehen wir nocheinmal unseren Beispielstammbaum heran

Pudding`s braune Tessy

Rasse: Orientalisch Kurzhaar
Brown
Ch. Dachhase`s Pilot
Rasse: Orientalisch Kurzhaar
Brown
Cranich`s Erich
Brown
Pudding`s Brauner Clown
Brown
Cranich`s Braune Lina
Brown
Dachhase`s Perina
Brown
Dachhase`s Pierot
Cranich`s Braune Wendy
Brown
Pudding`s Mahagonie
Rasse: Orientalisch Kurzhaar
Brown
Dachhase`s Peter
Brown
Dachhase`s Pierot
Cranich`s Braune Wendy
Brown
Dachhase`s Putzige Carola
Brown
Dachhase`s Micha
Brown
Dachhase`s Perina
Brown

Gleiche Tiere wurden hier gleichfarbig dargestellt.
Dachhase`s Perina und Dachhase`s Peter sind Vollgeschwister. Die Verpaarung ihrer Kinder Dachhase`s Pilot und Pudding`s Mahagoni, die von jeweils anderen Partnern stammen, ist eine Cousin-Cousinen Verpaarung.
Zusätzlich sind die Eltern von Pudding`s Mahagoni über Dachhase`s Perina verwand. Dachhase`s Peter und Perina sind Geschwister, also ist Perina die Nichte von Peter. Es handelt sich also eine Onkel-Nichte Verpaarung.

Zucht mit entfernten Verwandten

Die selbe Katze wird in verschiedenen Generationen eingesetzt.

Auch hier für finden wir ein Beispiel in unserem Fantasiestammbaum

Dachhase`s Perina findet man in der 3. und 4. Generation.
Viele bekannte Zuchtkater findet man in verschiedenen Generationen in dem Stammbaum seiner Katze wieder, wenn man danach forscht. Vor allem in Englischen und Holländischen Stammbäumen kann man sehen, dass herausragende Vererber immer wieder eingesetzt wurden.
Auch diese Form der Verstärkung der Erbanlagen eines oft eingesetzten Tieres führt zu einer Verstärkung seiner Anlagen in seinen Nachkommen.

Outcross

Ein Outcross ist die Verpaarung von nicht miteinander verwandten Katzen
Diese Form der Zucht sollte man einsetzen, wenn man sich in der Genetik seiner Katze noch nicht gut auskennt. Auch wenn es sich herausstellt, dass die anderen Zuchttechniken trotz sorgfältiger Planung zu einer Inzuchtdegeneration geführt haben ist ein Outcross sinnvoll.
Ebenso können die In- und Linienzuchtprogramme mit der Zeit verhindern, dass sich eine Rasse weiterentwickeln kann, denn es werden ja immer nur vorhandene Anlagen gefestigt. Also auch, wenn es nicht mehr vorwärts geht ist die Verpaarung mit völlig fremden Tieren sinnvoll, um den eine neue, überraschende Vermischung der Anlagen zu ermöglichen.

Kreuzungszucht

Die Kreuzung von Katzen verschiedener Rassen

Beispiel 1:

Die Zucht von Colourpoint Persern (Himalayan)

Colourpoint Perser entstanden aus der gezielten Verpaarung von Siamkatzen und Perserkatzen. Dadurch wurde das Siamgen, das für die Abzeichenfärbung verantwortlich ist, in die Perserzucht eingebracht. Jahrelange Auslese auf den besten Typ und die laufende Verpaarung mit typvollen Persern, führte zu Katzen mit Maske, die in Typ und Fell mit den anderen Persern mithalten können.

Beispiel 2:

Ocicats

Die Ocicat ist eine Kreuzung aus Getupften Orientalisch Kurzhaarkatzen (spotted Tabby) mit Abessiniern (ticked Tabby). Ziel war die Zucht von wildkatzenähnlichen Tieren, die ein getupftes Fell zeigen, das sogar in den Tupfen gebändert ist. Das führt dazu, dass diese Katzen keine Streifen zeigen.

Die Zucht mit Anlageträgern und Varianten

Hierbei sollen bestimmte Anlagen verbessert werden.

Beispiel 1 Balinesen:

Um den gewünschten eleganten Typ der Siamkatzen zu erhalten, werden Balinesen oft mit Siamkatzen verpaart. Die Jungtiere (F1-Generation) sind kurzhaarig, tragen aber die Anlage für das lange Fell, sie sind Varianten. Werden Varianten untereinander oder mit Balinesen verpaart, wird (in der F2-Generation) das lange Fell wieder in Erscheinung treten.

Beispiel 2 Colourpoint Perser:
Wir haben im vorhergehenden Abschnitt gelesen, dass die Colourpoint Perser durch Einkreuzung von Siamesen entstanden sind. Um wieder typvolle Perser zu erhalten und die Abzeichenfärbung zu erhalten, mussten immer wieder Träger des Gens Cs, des Siamgens, herausgesucht werden (in der F1 Generation noch alle Katzen, in späteren Generationen nur durch Testverpaarungen feststellbar). Diese Träger oder Katzen, die die Maskenzeichnung zeigten, mussten wieder mit vollfarbigen, dem Rassestandard entsprechenden Persern verpaart werden.


b)Farbvererbung



Farbzuchttabelle


Um diese Tabelle sinnvoll benutzen zu können, muss man ein paar Grundlagen der Genetik verstehen.
a) Was ist Verdünnung?
Verdünnung (engl. dillution) ist die Verklumpung der Farbpigmente in den Haaren. Es kommt zu Lufteinschlüssen und dadurch zu einer optischen Aufhellung. Schwarz wird zu Blau, Braun wird zu Lilac.
Die Verdünnung wird rezessiv vererbt.
b) Was bedeutet Rezessiv?
Rezessiv ist das Gegenteil von Dominant. Es bedeutet, das ein Erbfaktor genetisch gegenüber dem dominanten Faktor zurück steht. Das heißt, in der F1, der ersten Generation einer Verpaarung zwischen einer Katze mit einem dominanten Faktor,z.B. Schwarz und einer Katze mit einem rezessiven Faktor z.B. Blau, werden die Jungtiere alle vom äußeren Schwarz sein, aber die Verdünnung tragen.
Deshalb kann sich ein rezessiver Faktor verdeckt (unbemerkt) über mehrere Generationen weitertragen.
Das kann der Züchter häufig bei Langhaar, aber auch Blau, Maskenzeichnung und bei anderen rezessiven Merkmalen bemerken. Treffen sich zwei Trägertiere, taucht das Merkmal wieder auf.

Nun wird klar, dass es vielleicht gar nicht so einfach ist, seine Katze in diese Tabelle einzuordnen.
Einfach ist es bei Tieren, die reinerbig sind. Also z.B. eine lilac-point Katze. Sie zeigt das rezessive lilac-point, also ist sie dafür reinerbig (würde sie eine dominante Farbe tragen, würde diese das lilac überdecken).
Schwieriger wird es bei einer blue-point Katze. Hier stellt sich evtl die Frage ob die Katze braun trägt.Ist Mutter oder Vater der Katze braun(lilac) ist die Sacher klar, die Katze muss braun im Erbgut haben. Liegt ein braunes (lilac) Tier im Stammbaum weiter hinten vor, kann man die genetische Veranlagung der Katze nur durch eine Testpaarung herausfinden.

Schwierigster Fall ist eine seal-point.
Auch hier hat es wieder der Züchter leicht, bei dem die Elterntiere Verdünnung und / oder braun tragen. Dann ist es leicht, die Katze muss diese Faktoren im Erbgut haben. Bei entsprechender Verpaarung (d.h. mit einem Partner, der sie auch trägt) werden wieder Jungtiere in diesen Farben hervor kommen.
Der schwierigste Fall, eine seal-point bei der beide Eltern seal-point sind.

Ziehen wir nocheinmal einen Beispielstammbaum heran

Pudding`s schwarze Tessy

Rasse: Siam
seal-point
Ch. Dachhase`s Pilot
Rasse: Siam
seal-point
Cranich`s Erich
seal-point
Pudding`s Brauner Clown
chocolate-point
Cranich`s Lina
seal-point
Dachhase`s Perina
seal-point
Dachhase`s Pierot
seal-point
Cranich`s Wendy
seal-point
Pudding`s Mahagonie
Rasse: Siam
seal-point
Dachhase`s Peter
blue-point
Dachhase`s Pierot
seal-point
Cranich`s Wendy
seal-point
Dachhase`s Putzige Carola
seal-point
Dachhase`s Micha
seal-point
Dachhase`s Perina
seal-point

Haben beide Eltern ein Gen für Schwarz (seal-point) an Tessy gegeben, wird Tessy reinerbig schwarz sein und auch mit blauen oder lilac-point Partner immer nur schwarze (seal-point) Kinder bekommen. Ob Tessy ein Gen für die Verdünnung oder für braun von ihren Eltern bekommen hat, kann man ihr nicht ansehen. Nur ihre Würfe werden es zeigen. Wird sie mit einem Partner zusammen gebracht, der diese Faktoren trägt, reicht ein einziges Jungtier in dieser Farbe um Tessys Mischerbigkeit zu beweisen.

Rotvererbung

Die Rotvererbung ist schwierig, weil es sich um eine geschlechtsgebundene Vererbung handelt. Die Anlage für Rot kann immer nur auf dem X-Chromosom liegen. Deshalb kann eine Katze rot und schwarz (andersfarbig) sein, ein Kater aber nur rot oder nicht-rot (Außnahmen bei genetischen "Fehlern" wie z.B. XXY).
Das ist der Grund dafür, dass, je nachdem ob Mutter oder Vater rot sind, eine völlig andere Farbverteilung im Wurf zu erwarten ist.

Tabby

Die Tabbyzeichnung ist die Grundfarbe aller Katzen.
In den Tabbytabellen ist stets ein A- vorangestellt. Das A steht für das Agoutigen, welches immer erforderlich ist, um die Tabbyzeichnung zu zeigen.
Dies bedeutet, dass das Non-Agoutigen das Tabbygen maskiert und die Tabbykatzen schlicht und einfach in einfarbige Katzen verwandelt. Das ist der Grund dafür, dass wir bei allen einfarbigen Katzen häufig, vor allem in dem entsprechenden Licht, eine angedeutete Tabbyzeichnung erkennen können. Dabei ist es unerheblich, ob diese Katze aus einer Zucht stammt in der mit Tabby gezüchtet wird oder nicht. Bei Siamkatzen in hellen Farben sieht man häufig am Schwanz und an den Vorderbeinen diesen Erbteil der wilden Ahnen.

Es gibt verschiedenen Tabbyarten, die aber für die Siamzucht nicht von Bedeutung sind und die deshalb der Einfachheit halber hier unerwähnt bleiben sollen.

Für die Siamzucht ist es nur wichtig zu wissen, dass man mit einem Tabbypartner und einer Nichttabbykatze immer zur Hälfte Tabbykitten erhalten werde.
Ist der Tabbyelternteil reinerbig, werden alle Kitten die Tabbyzeichnung zeigen.

Wie bei jeder dominanten Erbanlage gilt: Zeigt eine Katze das Tabbymuster nicht, ist sie Non-Agouti, d.h. sie vererbt auch kein Tabby!

Weiß

Die Farbe Weiß vererbt sich auch dominant.
(Ganz genau genommen auch epistatisch, das heißt überdeckend, was für uns Siamzüchter bedeutet, die Katze hat eine Point - Zeichnung, die aber von Weiß überdeckt wird und deshalb nicht zu sehen ist. Deshalb kommen bei einer Foreign White aus Siamlinien die blauen Augen über die Siamzeichnung und nicht über den Weißfaktor - daher gibt es auch keine Probleme mit Taubheit. Um den Erbgang zu erklären, bleiben wir der Vereinfachung halber aber bei der bekannteren Dominanz, weil sie den Vererbungsverlauf hinreichend genau erklärt).
Weil die Weißscheckung ein anderes Gen ist, gibt es bei der Vererbung von Vollweiß immer nur vollständig weiße oder nicht-weiße Katzen.
Auch hier ist es wieder so, dass man mit einer weißen und einer Point-Katze immer zur Hälfte ganz weiße Katzen erhalten wird.

Auch wie bei Tabby gilt: Zeigt eine Katze das Weiß nicht, kann sie es auch nicht vererben!


c)Erbfehler bzw. -krankheiten und genetisch bedingte Defekte



1 Erbfehler und -krankheiten

Erbfehler oder genetische Defekte sind unerwünschte Zustände, die entweder die Lebensfähigkeit der Tiere herabsetzen oder ihre Fähigkeit, sich in der Umwelt zu bewegen. Es handelt sich um Krankheiten (Erbkrankheiten, Erbumweltkrankheiten) oder um gesundheitliche Störungen (Erbmängel), sowie Abweichungen vom Rassestandard.

Viele Missbildungen sind umweltbedingt. Sie werden größtenteils während der embryonalen Entwicklung durch chemische Stoffe, Infektionen oder physikalische Einwirkungen ausgelöst und führen häufig zum Absterben des Embryos. Solange diese Einflüsse nicht zu genetischen Veränderungen im Keimgewebe führen, bleiben die Missbildungen auf das betroffene Individuum beschränkt und werden nicht weiter vererbt.
Erbfehler und -krankheiten sind auf genetische Veränderungen (z.B. Punktmutationen) im Keimgewebe zurückzuführen. Das muss nicht in allen Formen zum Tod führen oder verhindern, dass sich ein Tier vermehren kann.

Die Ausprägung von erblich bedingten Missbildungen und Krankheiten wird häufig durch Umweltfaktoren mitbeeinflusst. (10 % erblich, 10 % umweltbedingt, 80% durch Wechselwirkung). Wenn Tiere von ihrem Genotyp (d.h.von Erbgut) her den Erbfehler zeigen müßten, jedoch phänotypisch (= vom Aussehen her) normal sind, spricht man von unvollständiger Penetranz (=unvollständige Durchdringung).
Eine andere Modellvorstellung geht davon aus, dass ein Tier erst ab einem bestimmten Schwellenwert (genetischer Effekt + Umwelteffekt) die Missbildung oder die Krankheit phänotypisch zeigt.
Um beurteilen zu können, welcher Erbgang die beobachteten Fälle am besten erklärt, sind umfangreiche und komplexe Untersuchungen notwendig. Es ist aus diesen Gründen im allgemeinen äußerst schwierig den genauen Erbgang eines Defektes oder einer Krankheit festzustellen.

2. Vererbunggrundlagen - Dominanz bzw. Rezessivität

Dominante Erbkrankheiten unterscheiden sich von rezessiven dadurch, dass anormale Tiere ausschließlich anormalen Nachwuchs bringen können.
Normale Tiere sind immer frei von dominanten krankhaften Störungen und bringen normalen Nachwuchs, wenn sie miteinander verpaart werden. Daraus folgt, daß krankhafte dominante Störungen leicht zu erkennen sind und durch eliminieren aller fehlerhaften Tiere ausgemerzt werden können.

Bei Erkrankungen, die durch rezessive Gene verursacht werden wird von jedem Elternteil ein Gen vererbt.
Zwei fehlerhafte Elternteile können im Fall von rezessiven kranken Genen nur 100 % fehlerhaften Nachwuchs erzeugen.
Wer mitgedacht hat versteht diesen Satz schon hier, obwohl er erst im Absatz darunter noch einmal genauer erläutert wird. Da es sich gezeigt hat, dass diese Satz schon ein paar mal falsch zitiert worden ist, muss ich noch einmal genauer erläutern: Darin besteht ja der Unterschied zwischen Rezessiv und Dominant, der hier herausgearbeitet wird. Das Tiere, die den rezessiv vererbten Fehler ZEIGEN (also fehlerhafte Elterntiere mit 2 rezessiv kranken Genen), ihn auch auf den beiden Genloki tragen müßen! Und das solche Tiere miteinander verpaart NUR FEHLERHAFTEN Nachwuchs bingen können. Ein Beispiel: Wer zwei Katzen mit Knickschwanz verpaart (einem rezessiven Defekt) bekommt ausschließlich Nachkommen, die den Knickschwanz zeigen (beide Genloki mit fehlerhaftem Gen besezt) oder genetisch weitervererben (nur ein Genlokus von einem fehlerhaften Gen besetzt)!
Diese fehlerhaften Tiere werden aber von verantwortungsvollen Züchtern nie zur Fortpflanzung benutzt.
Ausnahme: einige Vermehrer, denn alles egal ist ("Ist doch egal, wer will schon teure
Tiere mit Papieren, hauptsache Babys"),
oder self-made Forscher ohne Ausbildung ("Ich wollte doch mal sehen was raus kommt").
Beide Sorte Mensch machen sich gleichermaßen in unverantwortlicher Weise schuldig an der
Natur und den von ihnen produzierten Jungtieren, für die sie die Verantwortung tragen!
Daraus folgt, dass kranke Tiere also in der Regel von Eltern stammen, die phänotypisch gesund sind, jedoch genotypisch mischerbig für das krankmachende (also rezessive) Gen.
Jedes Elternteil muss eines der zwei anormalen Gene auf seinen Nachwuchs übertragen. Beide Eltern sind Überträger der Krankheit. Der kranke Nachwuchs ist reinerbig für die (rezessiv vererbte) Krankheit.
Die Kreuzung normaler reinerbiger Tiere mit anderen normalen reinerbigen Tieren kann nur 100 % genotypisch und phänotypisch normalen Nachwuchs erbringen.
Die Kreuzung eines normalen reinerbigen Tieres mit einem phänotypisch normalen mischerbigen Tier, das aber ein krankheitsproduzierendes Gen hat, führt zu 100 % phänotypisch normalen Nachkommen, aber 50 % des Nachwuchses sind mischerbig für die Krankheit und deshalb Überträger.
Kreuzt man phänotypisch normale, aber für die Krankheit mischerbige Tiere, führt das in 25 % der Fälle zu einer fehlerhaften Nachkommenschaft. 75 % sind phänotypisch normal und 2/3 des phänotypisch normalen Nachwuchses (d.h. 50 % des gesamten Wurfes) sind mischerbig für die Krankheit (Überträger). Diese Überträger sind in der Lage, das rezessive Gen an ihren Nachwuchs weiterzugeben. Dadurch werden in bestimmten Rassen und Zuchtlinien rezessive Gene von einer Generation an die nächste weitergegeben. Mehrere Generationen können übersprungen werden, bevor das Gen wieder sichtbar zum Ausdruck kommt. Dies geschieht, wenn ein mischerbiges Tier mit einem Tier verpaart wird, das mischerbig oder reinerbig für das rezessive Gen ist.

Wichtig: Beide Elternteile müssen Überträger des Gens sein, damit es phänotypisch bei der Nachkommenschaft in Erscheinung treten kann.

Autosomal* rezessive** Vererbung kommt bei der genetischen Übertragung von Krankheiten oder angeborenen Defekten häufig vor. Es ist ein genetisches Problem, das schwierig zu kontrollieren ist, weil es über Generationen hinweg verborgen bleiben kann, bis zwei Überträger desselben Problems miteinander gekreuzt werden.
Linienzucht und Inzucht erhöhen die Gefahr beträchtlich, fehlerhaften Nachwuchs zu erhalten und sollten deshalb nur von erfahrenen Züchtern angewendet werden.

Die Mehrzahl der Erbfehler mit bekanntem Vererbungsmodus wird polygen*** rezessiv vererbt, ihre Bekämpfung ist deshalb schwierig, da sich in der Katzenpopulation eine große Anzahl heterozygoter**** Überträger befindet, die kaum zu erkennen ist. Ein vollständiges Verschwinden des krankmachenden, rezessiven Gens ist schwierig zu bewerkstelligen. Daher kann eine Bekämpfung nur Schritt für Schritt erfolgen.

*(Autosomal = Vererbungsweise eines Merkmals, dessen Gen auf einem Autosom
(d.h. nicht auf einem Geschlechtschromosom) liegt)
**(rezessiv = bei dem das Gen auf beiden homologen Chromosomen
vorhanden sein muß, um das Merkmal in Erscheinung treten zu lassen)
***(Polygen = Beteiligung mehrerer Gene an der Ausbildung einer Eigenschaft)

****(heterozygot)

3. Unterscheidung erblich, umweltbedingt, Geburtsschäden

Wie schon aus Absatz 1 zu entnehmen ist, sind nicht alle angeborenen Missbildungen erblich bedingt. Der Ausdruck "angeboren" sagt nur aus, dass der Fehler bereits direkt bei der Geburt vorhanden war, aber nichts über die Entstehung.

Bei allen Säugetieren, einschließlich des Menschen, kommt es immer wieder vor, dass Neugeborene bereits bei der Geburt geschädigt sind. Dabei findet man äußerlich sichtbare Defekte (Gaumenspalte, fehlende oder zu kleine Gliedmaßen, Verwachsungen zwischen Zwillingen, Wasserkopf u.v.m.), sowie Defekte an inneren Organen (Herzfehler, Nierendefekte u.a.), sowie Funktionsstörungen des Stoffwechsels (die oft erst in der weiteren Entwicklung zum Tragen kommen).

Die Entwicklung eines Embryos ist eine der kompliziertesten Aufgaben der Natur. Es gibt in dieser Entwicklungszeit für jedes innere und äußere Organ kritische Phasen, die vor allem in der Frühschwangerschaft liegen, in denen bereits kleinere Störungen (z.B. die Unterbrechung oder erhöhte Zufuhr bestimmter Nährstoffe, Gabe von Medikamenten, Hormonen, Viruserkrankungen der Mutter etc. einen schweren Schaden auslösen können.


Hört man sich in der Züchterszene um, so könnte man fast den Eindruck erhalten, in der Katzenzucht wären diese Probleme den meisten Züchtern nicht bekannt. Und das, obwohl nachgewiesener Weise bei Katzen Anomalien gleich häufig vorkommen wie beim Menschen.
Wenn doch mal etwas zugegeben wird, dann immer unter der Prämisse, dass ein Anderer (……..der Deckkater Soundso, die Zuchtlinie von Herrn Irgendwer………..) die Schuld trägt. Nur die wenigsten machen sich Gedanken, ob vielleicht die Ursache im eigenen Heim zu finden ist (War die Mutterkatze krank oder kränklich, erhielt sie Medikamente, gab es Stress z.B. Zukauf einer neuen Mitkatze, zu großer Tierbestand, Umzug, Trennung, Scheidung oder ein Menschenbaby ist dazu gekommen....).
Natürlich haben kaum Züchter die fachlichen Voraussetzungen um selbst Ursachenforschung zu betreiben. Es wird getuschelt oder vertuscht, aber nicht geredet und gehandelt. Das macht eine echte Erkennung und Unterscheidung zwischen Erbfehlern und umweltbedingten Fehlern fast unmöglich. Bei Verdacht auf erblich bedingte Schäden sollte ein spezialisierter Tierarzt oder eine Uniklinik hinzugezogen werden. Eine genaue Ergründung, welche Schäden in der Schwangerschaft auf die Katze eingewirkt haben könnten; ist sehr wichtig. Bleibt der Verdacht auf einen genetisch bedingten Erbdefekt, so können mit Hilfe dieser Fachleute sinnvolle Verpaarungen besprochen werden. Sollten missgebildete (oder gehäuft tote) Jungtiere vorkommen, sollten diese stets obduziert werden. Alle Züchter, die mit verwandten Tieren züchten, vor allem den Elterntieren und Geschwistern, sollten gefragt werden, ob solche Defekte bereits aufgetreten sind.

Übersicht über Einflüsse die die Entwicklung stören können:
Bekannte Defekte die dadurch ausgelöst werden können sind